Verfasst von: joanemarie | 15. März 2010

Der Hund denkt auch

Am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig erforschen Wissenschaftler die sozialen Erkenntnismöglichkeiten verschiedener Tierarten und sind zu ganz erstaunlichen Entdeckungen gekommen.
Die “Theory of Mind”, also sprichwörtlich die “Kunst des Gedankenlesens” sah man bisher nur als originär menschliche Fähigkeit, die sich im Laufe der Evolution weiterentwickelt hatte. Sie gehört demnach bei den Wissenschaftlern als eine der Grundlagen des “Lernen und Lehrens”und spielte eine große Rolle in der geschichtlichen kulturellen Entwicklung der Menschen.
Nun aber ist man am Leipziger Max-Planck-Institut bei Untersuchungen zu der Erkenntnis gekommen, dass diese Fähigkeit , Perspektiven und Absichten anderer Personen wahrzunehmen nicht nur dem Menschen sondern auch verschiedenen Tierarten zugeschrieben werden können. “Um herauszufinden was Menschenaffen über die Wahrnehmungen ihrer Gruppengenossen wissen, hatten”… die Wissenschaftler…” den ausgeprägten Futterneid der..Affen… ausgenutzt und Obststückchen im Gehege verstecken lassen.” Ja, die niederen Affen trauten sich erst an das begehrte Futter,wenn sie gesehen hatten, dass das Alphamännchen weder das Verstecken des Futters mitbekommen noch es im Blickfeld hatten.
Das sollte aber noch nicht für eine Erhärtung der Theorie reichen. Würden die Affen auch in kommunikativen Kontexten Zeigegesten, den berühmten “Fingerzeig” verstehen? So würde der Vergleich zwischen den Arten auch uns Aufschlüsse über unsere eigene genetische Entwicklung bringen. Beim Menschen ist die Fähigkeit, sich in Wahrnehmungs-und Handlungsperspektiven eines anderen hineinzuversetzen mit in die Wiege gelegt und spielt in der kindlichen Entwicklung eine große Rolle. Nicht so, beim Menschenaffen. Die Wissenschaftler fanden in ihren Untersuchungen heraus, dass die Affen nicht im geringsten einem Fingerzeig ,etwa beim Test mit den versteckten Obststückchen ,folgen würden. Sie verstehen nicht, was ihnen der Mensch mit der Geste auf den Futterbehälter sagen möchte. Ganz anders bei den Hunden! Mit einer recht beiläufigen Bemerkung des Doktoranden Brian Hare (MaxPlanckForschung1/2006,Seite 74 ff.) auf das Vermögen seines Hundes, gezielte Deutungen des Herrchens zu verstehen, wurden die folgenden Untersuchungen mit Hunden durchgeführt,obwohl man ihnen zunächst kognitive und soziale Fähigkeiten absprach, da sie in einer unnatürlichen Umgebung leben würden, und als “unvollständiger Wolf” die Fähigkeiten der in der Freiheit lebenden Vorfahren durch die Domestizierung verloren hätten.
Schon die ersten Verhaltensstudien über kognitive und soziale Fähigkeiten der Vierbeiner zeigten erstaunliche Ergebnisse , die ich hier natürlich nicht alle aufzählen kann. Schon Welpen aller Altersgruppen nutzten die Hinweise des Zeichengebers (Hände des Menschen sind für die Tiere immer interessant) um an das begehrte Futter in den zur Auswahl bereit stehenden Bechern zu kommen. In weiteren Tests wurde untersucht, ob Hunde wissen, was andere Personen im Kontext mit ihnen sehen können. Jeder Hundebesitzer weiß, dass der Hund nur in der Kontrollbedingung den Menschen direkt ansieht. Sobald er sich unbeobachtet fühlt, setzt er sich über das erteilte Verbot durch den Halter hinweg und versucht seinen Willen durchzusetzen. Beispiele dafür gibt es genug. Interessant sei es auch, dass die Hunde zwischen den geöffneten und geschlossenen Augen ihrer Besitzer unterscheiden können, was auch eine ganz erstaunliche Fähigkeit sei.
Bei weiteren Versuchen im Zusammenhang mit Spielzeugen, z.B. Plüschtieren mit dem Kommando “Brings” zeigten die Tiere, dass sie viele Worte verstehen und die Gegenstände den entsprechenden Namen zu ordnen können(selbst mal in einer FS-Sendung erlebt),was auch eine große Denkleistung ist, und man schätzt, dass die Hunde einen Wortschatz von ca. 200 Wörtern haben. So erlebe ich z.B. wenn ich mit meinem Hund spreche, wie sein kleiner Kopf sich ständig hin-und-her bewegt und die Ohren spitz aufgestellt sind und wenn ich sage, “komm wir gehen zu Benni”(seinem Hundekumpel) oder ich nenne andere Namen von Hunden unserer Straße,ist unser Westi hellwach und zum Gassigang zu begeistern.

Genaueres ist nachzulesen bei:
Literatur: MaxPlanckForschung, Heft 4/09; “Der Hund denkt mit” von Birgit Fenzel


Antworten

  1. Ist das was neues? I love dogs!

    mein Blog : http://www.criticalliar.wordpress.com

  2. Danke für den sehr interessanten Text!
    Ich werde mir ohnehin der Meinung immer sicherer, dass wir nicht die Krone, sondern die Lehrlinge der Schöpfung sind ;-)
    Wofür wir Sprache, Kindergärten, Schulen, Psychologen, Technik, etc. brauchen kriegen (freilebende) Tiere ohne jede Hilfe hin (Nahrungsbeschaffung, Behausung, Partnerwahl, Jungenaufzucht, etc.)

    paradise your life!


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